Digitale Vorsorge braucht Vertrauen, Verantwortung und europäische Handlungsfähigkeit

Baurat h. c. DI Rudolf Kolbe, Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) und  Vizepräsident der Gruppe III „Organisationen der Zivilgesellschaft“ moderierte das Panel 3 des 10. Day of Liberal Professions zum Thema „Digital preparedness – cyber, AI, and new ways of working“.

„Die Freien Berufe arbeiten täglich mit besonders sensiblen Gesundheits-, Mandats-, Klienten-, Geschäfts- und Forschungsdaten. Ein erfolgreicher Cyberangriff ist daher nicht bloß eine technische Störung: Er kann die berufliche Handlungsfähigkeit unterbrechen, vertrauliche Beziehungen beschädigen und das Vertrauen in professionelle Leistungen erschüttern. Cybersicherheit ist deshalb eine berufliche Grundpflicht. Neben geeigneter Schutzsoftware braucht es geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, klare Abläufe, regelmäßige Datensicherungen sowie erprobte Notfall- und Wiederanlaufpläne“, stellt Kolbe einleitend fest.

Vor allem beim Einsatz von KI muss die Verantwortung beim Menschen bleiben. KI kann Dokumente analysieren, Daten vergleichen, Suchprozesse unterstützen und fachliche Einschätzungen vorbereiten. Das Ergebnis eines Systems ist jedoch stets nur eine Zwischenstufe. Erst die kritische Prüfung, fachliche Einordnung und begründete Entscheidung durch eine qualifizierte Person machen daraus eine professionelle Leistung. Menschliche Aufsicht und Verantwortung beginnen bereits bei der Auswahl der KI-Tools und umfassen den gesamten Arbeitsprozess – von den Eingaben über die Kontrolle der Zwischenergebnisse bis zur abschließenden Entscheidung.

Digitalisierung schafft nur dann nachhaltigen Nutzen, wenn Sicherheit, menschliche Kontrolle und professionelle Verantwortung von Anfang an mitgedacht werden.

Gerade deshalb sind Kammern und Berufsverbände gefordert, europäische Grundsätze für Datenschutz, Vertraulichkeit, Transparenz, Systemauswahl, Kontrolle und Verantwortung in praxistaugliche Umsetzungsmodelle zu übersetzen. Dazu zählen verständliche Leitlinien, Musterprozesse, Schulungen und regelmäßige Übungen. Zugleich muss Europa seine digitale Souveränität stärken: durch wettbewerbsfähige eigene Werkzeuge, sichere Infrastrukturen, Forschung und gemeinsame Investitionen. Technologische Souveränität bedeutet dabei nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und Handlungsfähigkeit auf Grundlage europäischer Werte.

Das zentrale Ergebnis des Panels lautete: Digitale Vorsorge ist mehr als Technik. Sie verbindet Berufsethik, Organisation und europäische Gestaltungsfähigkeit. Verhältnismäßige Regeln, kontinuierliche Weiterbildung und eine klare menschliche Letztverantwortung sind entscheidend, damit Digitalisierung und die Anwendung von KI die Qualität freiberuflicher Leistungen stärkt und das Vertrauen der Klientinnen und Klienten dauerhaft sichert.

Liberal Professions Day 2026: „Preparedness in the EU: The role of the liberal professions“, vom 29. September 2026 mit dem Ergebnis: Die Freien Berufe sind tragende Säulen der europäischen Krisenvorsorge und Resilienz. Mit ihrer fachlichen Unabhängigkeit, Verantwortung und Nähe zu Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen helfen sie, Risiken frühzeitig zu erkennen, in Krisen handlungsfähig zu bleiben und eine verlässliche Erholung zu unterstützen. Ihre Rolle muss daher in den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der EU klar anerkannt und gestärkt werden; zugleich bleibt auch im digitalen Wandel die menschliche Aufsicht unverzichtbar.

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Mursch-Edlmayr: „Österreich verliert eine mutige Ärztin, engagierte Gesundheitspolitikerin und starke freiberufliche Stimme für Menschlichkeit.“

Die Bundeskonferenz der Freien Berufe Österreichs (BUKO) nimmt mit großer Betroffenheit Abschied von der ehemaligen Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend und Ärztin Dr. Andrea Kdolsky, die im Alter von 63 Jahren verstorben ist. „Mit Andrea Kdolsky verliert Österreich eine außergewöhnliche freiberufliche Persönlichkeit, die Medizin, Gesundheitspolitik und gelebte Menschlichkeit auf besondere Weise verbunden hat. Sie war eine leidenschaftliche Ärztin, eine klare und kraftvolle Stimme in der öffentlichen Debatte und eine Frau, die Verantwortung nie gescheut hat. Im Namen der Bundeskonferenz der Freien Berufe und auch persönlich würdigen wir ihr Lebenswerk und ihre Verdienste für die Freien Berufe Österreichs“, so BUKO-Präsidentin und Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr.

Eine engagierte Vertreterin des Gesundheitswesens

Als Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin kannte Andrea Kdolsky die Anliegen der Patientinnen und Patienten ebenso wie die Herausforderungen der Gesundheitsberufe aus unmittelbarer Erfahrung. In ihrer Zeit als Bundesministerin von 2007 bis 2008 und in ihren späteren gesundheitspolitischen Tätigkeiten brachte sie ihre medizinische Expertise, ihren Gestaltungswillen und ihre unverwechselbare Offenheit ein. Damit verkörperte sie zentrale Werte der Freien Berufe: fachliche Unabhängigkeit, persönliche Verantwortung und den konsequenten Dienst am Menschen.

Besonderen Respekt verdient ihr offener Umgang mit ihrer schweren Erkrankung. Mit großer Kraft und Zuversicht machte sie anderen Betroffenen Mut. Bis zuletzt setzte sie ihre Erfahrung und Energie für Menschen mit Krebserkrankungen und deren Angehörige ein. „Andrea Kdolsky hat Spuren hinterlassen – durch ihre fachliche Kompetenz, ihren Mut zur klaren Haltung und vor allem durch ihre Zugewandtheit zu den Menschen. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihr nahestanden. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren“, so Mursch-Edlmayr abschließend.

Wir sprechen den Hinterbliebenen unser tief empfundenes Mitgefühl aus.