Europäische Resilienz braucht klare Zuständigkeiten, nachhaltige Investitionen, digitale Sicherheit und die frühzeitige Einbindung unabhängiger Expertinnen und Experten.

Beim Tag der Freien Berufe in Brüssel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Architektur, Ingenieurwesen und Berufsorganisationen darüber, wie Europa seine Krisenfestigkeit nachhaltig stärken kann. In allen drei Panels wurde deutlich: Vorsorge gelingt nur, wenn europäische Leitlinien mit regionalem Wissen, qualitätsvoller Planung, fachlicher Unabhängigkeit und gesellschaftlichem Vertrauen verknüpft werden. Die Freien Berufe übernehmen dabei eine Schlüsselrolle – als Vertrauenspersonen, Multiplikatoren und dezentrale Fachreserve.

Freie Berufe als Stabilitätsanker in Krisenzeiten – Resilienz beginnt dort, wo freiberufliche Verantwortung Vertrauen schafft!

„Europas Widerstandsfähigkeit entsteht nicht allein durch Gesetze, Infrastruktur oder technische Systeme. Sie entsteht vor allem dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Institutionen Vertrauen schaffen und qualifizierte Fachkräfte auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben“, erklärt Dr. Karin Hahne, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Freien Berufe.

„Die Freien Berufe sichern medizinische Versorgung, Rechtsstaatlichkeit, Infrastruktur und wirtschaftliche Stabilität. Mit ihrer fachlichen Unabhängigkeit, persönlichen Verantwortung und unmittelbaren Nähe zu den Menschen sind sie eine tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts und ein unverzichtbarer Stabilitätsanker in Krisenzeiten.“

Vorsorgepolitik gemeinsam und praxistauglich gestalten

Im ersten Panel „Preparedness in EU policy – priorities, coordination, and regulation“ standen klare Zuständigkeiten, kohärente Regeln und langfristige Investitionen im Mittelpunkt. Moderator und EWSA-Mitglied Maurizio Mensi betonte, dass Vereinfachung und Sicherheit miteinander verbunden und rechtsstaatliche Grundsätze auch im Krisenfall gewahrt werden müssen.Grégory Allione, Mitglied des Europäischen Parlaments und Co-Vorsitzender der Intergroup on Resilience, verwies auf die Bedeutung qualifizierter und einsatzbereiter Menschen. Alessandro Carrotta von der Generaldirektion ECHO der Europäischen Kommission hob den gesamtgesellschaftlichen Ansatz der EU-Vorsorgestrategie hervor; Kammern und Berufsverbände sollten ausdrücklich in die öffentlich-private Vorsorge-Taskforce eingebunden werden. Alison Hunter vom European Policy Centre unterstrich, dass Vorsorge keine kurzfristige Ausgabe, sondern eine Investition in Europas Stabilität und Handlungsfähigkeit ist.

Resilienz beginnt bei Infrastruktur, Gesundheit und Planung

Das zweite Panel „Preparedness in practice – prevention, continuity, public health“ zeigte, dass Krisenfestigkeit lange vor dem Ernstfall entsteht. Moderator Danko Relić verwies auf die engen Abhängigkeiten zwischen Gesundheitsversorgung, Verkehr, Energie, Wasser, Kommunikation und Verwaltung.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer, forderte eine dauerhaft finanzierte Instandhaltung, qualitätsorientierte Vergabeverfahren und eine unabhängige fachliche Planung. Daniel Fügenschuh, Präsident des Architects’ Council of Europe, zeigte unter dem Leitgedanken „Preparedness by Design“, wie Klimaresilienz und risikoinformierte Raumplanung frühzeitig berücksichtigt werden können.

Prof. Mary Codd nannte Forschung, Frühwarnsysteme, robuste Public-Health-Strukturen und ausreichend geschulte Fachkräfte als Grundpfeiler der Vorsorge. Philippe Besset verwies auf die unverzichtbare Rolle wohnortnaher Apotheken bei Tests, Impfungen, Information und der Aufrechterhaltung der Versorgung.

Digitale Vorsorge stärkt Vertrauen und Verantwortung

Im dritten Panel „Digital preparedness – cyber, AI, and new ways of working“ standen Cybersicherheit und der verantwortungsvolle Einsatz künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt. Moderator und EWSA-Mitglied Rudolf Kolbe hob Vertrauen als verbindendes Leitmotiv hervor.

Elsa Veloso, CEO von DPO Consulting, bezeichnete Cyberbereitschaft als berufliche Grundpflicht: Auch beim Einsatz externer IT-, Cloud- oder KI-Dienste liegen Datenschutz, Vertraulichkeit, Betriebssicherheit und Wiederanlauffähigkeit weiterhin in der Verantwortung der jeweiligen Fachpersonen und Organisationen.

Dr. Anna Maria Bardone betonte die Notwendigkeit einer durchgängigen menschlichen Aufsicht. Dr. Helena Donato zeigte die Chancen von KI für Forschung und Wissenschaftskommunikation auf, warnte zugleich jedoch vor erfundenen Referenzen, Verzerrungen, Datenschutzproblemen und dem Verlust professioneller Kompetenzen.

Europa braucht die Freien Berufe

Die LIBDAYS haben gezeigt: Europas Vorsorgepolitik kann nur dann wirksam sein, wenn die Freien Berufe von Beginn an in Planung, Koordinierung, Finanzierung und Umsetzung einbezogen werden. Sie verbinden fachliche Kompetenz mit persönlicher Verantwortung und übersetzen politische Zielsetzungen in verlässliches Handeln. Als kompetente, unabhängige und vertrauenswürdige Expertinnen und Experten geben die Freien Berufe der europäischen Vorsorge ein menschliches Gesicht.

Die BUKO setzt sich daher dafür ein, die Expertise der Freien Berufe auf nationaler und europäischer Ebene systematisch zu verankern. Ziel ist ein widerstandsfähiges, handlungsfähiges und vertrauenswürdiges Österreich und Europa – getragen von

  • klaren politischen Rahmenbedingungen,
  • widerstandsfähigen Infrastrukturen und Gesundheitssystemen,
  • digitaler Sicherheit und einem verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz sowie
  • der festen Verankerung der Freien Berufe als tragende Säulen nationaler und europäischer Resilienz.

Finden Sie hier einige Downloads:

v.l.n.r.: Elena Cordoba (UP), ZT und Ceplis Präsident Mr Klaus Thurriedl, Ceplis-VP Michael Van Gompen (UNPLIB), President of UNPLIB, Mr Bernard Jacquemin, Ms Elsa Veloso (ANPL), UNPLIB Vice-President, Mr Jean Ruwet, Professor Dr Theodoros Koutroubas, CEPLIS Director-General, Mr Orlando Monteiro, EESC Member, EESC Mitglied und Civil Society Organisation’s Group Vizepräsident Rudolf Kolbe, Brookly Beli (CEPLIS Policy Advisor) sowie Susana Pisano (Confprofessioni)

 

Präsidentin Mursch-Edlmayr: Freie Berufe und Bundesheer sind tragende Säulen eines krisenfesten Österreichs

Die Bundeskonferenz der Freien Berufe (BUKO) gratuliert Generalleutnant MMag. Harald Vodosek zu seinem Amtsantritt als Generalstabschef des Österreichischen Bundesheeres: „Sicherheit ist die Grundlage für Freiheit, Stabilität und eine verlässlich funktionierende Gesellschaft. Harald Vodosek vereint strategischen Weitblick mit großer Erfahrung und hoher Kooperationsfähigkeit“, erklärt die Präsidentin der Bundeskonferenz der Freien Berufe (BUKO) und der Österreichischen Apothekerkammer Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr.

Gemeinwohl, Verantwortung und höchste fachliche Kompetenz

Bundesheer und Freie Berufe eint ein zentraler Auftrag: Beide stellen das Gemeinwohl über Einzelinteressen und tragen besondere Verantwortung für die Gesellschaft. Das Bundesheer schützt die Republik, ihre Bevölkerung und die staatliche Souveränität. Die Freien Berufe gewährleisten mit hochqualifizierten Leistungen Gesundheit, Arzneimittelversorgung, Rechtssicherheit, technische Sicherheit, Innovation und wirtschaftliche Stabilität. Beide Einheiten sind durch strenge rechtliche und ethische Verpflichtungen, hohe persönliche Verantwortung sowie fundierte Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung geprägt. Angehörige der Freien Berufe handeln eigenverantwortlich auf Grundlage wissenschaftlicher Fachkompetenz und verbindlicher Berufs- und Standesregeln. Soldatinnen und Soldaten stehen in einem besonderen Treueverhältnis zum Staat, unterliegen klaren dienst- und disziplinarrechtlichen Vorgaben und müssen zugleich auch in dynamischen Lagen verantwortungsvoll und professionell entscheiden.

Arbeitsauftrag: Kritische Infrastruktur gemeinsam absichern

„Das Österreichische Bundesheer und die Freien Berufe zählen in ihren jeweiligen Aufgabenfeldern zu den tragenden Säulen der kritischen Infrastruktur. Die Krisenkompetenz des Bundesheeres, die unmittelbare Nähe der Freien Berufe zur Bevölkerung und ihre gemeinsame Fähigkeit, auch unter außergewöhnlichen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, sind für die Resilienz Österreichs unverzichtbar. Die Freien Berufe stehen angesichts der aktuellen politischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen zur Zusammenarbeit bereit, denn Österreich braucht ein umfassendes Vorsorgekonzept, welches militärische Verteidigungsfähigkeit, zivile Krisenfestigkeit und eine verlässliche Versorgung gleichermaßen berücksichtigt“, so Mursch-Edlmayr abschließend.

Zugleich dankt die BUKO dem scheidenden Generalstabschef, General Rudolf Striedinger, für seine verantwortungsvolle Arbeit und die umsichtige Führung des Österreichischen Bundesheeres in herausfordernden Zeiten.

Die BUKO ehrt Rudolf „Rudi“ Kolbe für sein langjähriges Engagement und Verdienste für die Freien Berufe – national und auf europäischer Ebene!

Im Rahmen des Präsidiums am 9. September 2026 wurde Baurat h. c. DI Rudolf „Rudi“ Kolbe mit dem Goldenen Ehrenzeichen der BUKO und einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Gewürdigt wurden sein jahrzehntelanger Einsatz für die Freien Berufe, sein Engagement für die Zusammenarbeit der freien Berufsstände und sein Wirken auf nationaler wie europäischer Ebene.

Rudi Kolbe zählt seit vielen Jahren zu den wichtigen Persönlichkeiten der österreichischen und europäischen Berufsvertretungen der Freien Berufe. Als Ziviltechniker für Vermessungswesen führt er seit 1981 ein eigenes Ingenieurbüro für geodätische Vermessung in Oberösterreich. In der BUKO übernahm er 2020 als Präsident der Ziviltechniker:innen das Amt des BUKO-Präsidenten bis 2023 und war davor bereits über ein Jahrzehnt im BUKO-Präsidium und Vorstand tätig.

Vor allem auf europäischer Ebene setzt sich Rudi Kolbe seit 2018 mit großem Nachdruck für die Interessen der Freien Berufe ein. Er wurde 2025 zum wiederholten Mal zum Vizepräsident der Gruppe III (Organe der Zivilgesellschaft, CSO) im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss gewählt und fungierte bis Anfang 2026 als Sprecher der europäischen Freien Berufe.

Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten zählen leistbarer Wohnraum, das Neue Europäische Bauhaus, künstliche Intelligenz und die Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen bzw. alle Agenden, die direkt mit der Stärkung und Zukunftsorientierung der Freien Berufe zu tun haben.

Bei der Überreichung der Ehrung standen neben Kolbes fachlichen und berufspolitischen Leistungen auch seine persönliche Verlässlichkeit und seine langjährige Unterstützung für alle Kammern im Mittelpunkt: „Rudi Kolbe ist eine Bereicherung für die Freien Berufe. Mit seiner Erfahrung, seinem Weitblick und seiner Bereitschaft zur Zusammenarbeit hat er entscheidend dazu beigetragen, gemeinsame Anliegen voranzubringen. Bereits vor Jahren hat er den Grundstein dafür gelegt, dass sich die BUKO und die Freien Berufe neu aufgestellt haben.“

Kolbe selbst dankte für die Anerkennung und unterstrich die Bedeutung eines geschlossenen Auftretens der Berufsstände: „Die Freien Berufe vertreten über ihre jeweiligen Fachgebiete hinaus gemeinsame Werte. Diese Gemeinsamkeiten müssen wir klar benennen und unsere Kräfte bündeln, damit wir auch nach außen wirksam werden.“ Er werde sich weiterhin einbringen und dabei konsequent in die Zukunft blicken.

Mit der Ehrung würdigt die BUKO nicht nur Kolbes bisherige Verdienste, sondern verbindet damit zugleich die Einladung, seine Erfahrung und Gestaltungskraft auch künftig in die Weiterentwicklung der Freien Berufe einzubringen. Die Auszeichnung steht damit für Dankbarkeit, Anerkennung und zugleich den gemeinsamen Weg und Blick in die Zukunft!

v.l.n.r.: Vizepräsident Dr. Armenak Utudjian (Präsident des ÖRAK), Präsidentin Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr (Präsidentin der Apothekerkammer), Träger des Goldenen Ehrenzeichens Baurat h.c. DI Rudolf Kolbe (ZT-Kammer und EWSA) sowie Vizepräsident Mag. Philipp Rath (Präsident der KSW)