Österreich braucht die Freien Berufe

Mag.med.vet. Frühwirth Präsident der BUKO

Mag. vet.med. Kurt Frühwirth

BUKO-Präsident

Ein Plädoyer der Freien Berufe von Kurt Frühwirth

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen sie mich mit einigen Zahlen beginnen:

  • 13,5 Millionen Spitalstage österreichweit,
  • 1,2 Millionen Operationen österreichweit,
  • 140.000 Einsätze des Ärztefunkdienstes,
  • 350.000 Wohnungen allein in Wien aus öffentlicher Förderung und gemeinwirtschaftlichem Ansatz, das ist Weltrekord,
  • 16.720 gemeinwirtschaftlich errichtete Wohnungen pro Jahr in Österreich.

Ich möchte dabei  nicht Rekorde auflisten, sondern darauf verweisen, dass diese Leistungen von Mitgliedern der Freien Berufe erbracht werden.

Die Freien Berufe umfassen fast 80.000 Mitglieder, davon 60.000 kleinstrukturierte Unternehmen mit über 170.000 Mitarbeitern –  bei durchschnittlich deutlich besserer Bezahlung als im Markt und deutlich längerer Verweildauer als in anderen Berufen, auch zu Krisenzeiten.

Der Arbeitseinsatz der Freien Berufe, die insgesamt etwa 5% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften, ist enorm. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Ärzten beträgt über 50 Stunden, von Rechtsanwälten, die nächtens Eingaben machen, möchte ich ebenso wenig reden, wie von Apothekern, die rasche Hilfe stellen, von Wirtschaftstreuhändern, die in Kleinstrukturen Bilanzen testieren, oder von uns Tierärzten, oder von Zivilingenieuren, die eine Verantwortung für die Gesellschaft tragen, die nach außen viel zu wenig bekannt ist.

Freie Berufe sind einem Wertesystem und dessen Einhaltung verpflichtet, das sie sich selbst gegeben haben. Wer einen Freien Beruf ergreift, hat in der Regel eine Ausbildung, die zumindest ein Jahrzehnt dauert. Das gibt es in keinem anderen vergleichbaren Beruf.

Von den fast 80.000 Mitgliedern der Freien Berufe ist ein beträchtlicher Anteil in Lehre und Forschung tätig. Die Universitäten würden ohne das Know-How der Freien Berufe und deren pädagogischer Tätigkeit nicht existieren können.

Freie Berufe sind in ihrer Selbstverwaltung so etwas wie die 4. Gewalt in der Demokratie. Sie sind Schutzschild der Zivilbevölkerung und sie sind gleichzeitig Ratgeber für die Regierenden bzw. für die parlamentarischen Abgeordneten.

Ich möchte ein aktuelles Problem, die Gefährdung der Autonomie der Freien Berufe ansprechen.

Wir sind derzeit konfrontiert mit dem Thema EU-Vertragsverletzungen sowie mit dem Bestreben der EU, internationale Investoren in die Freien Berufe hineinzuheben.

In Österreich regelt das Gesetz, dass bei Gründung von jeder Form einer Gesellschaft, die etwa Ärzte, Tierärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Notare und Architekten miteinander tätigen, kein Gesellschafter aus einem anderen Fachbereich kommen darf. Also kein privater Investor, vor allem auch keine Finanzinvestoren, kein Gesellschafter, der nicht die Berufsbefähigung des Tierarztes nachweisen kann.

Damit soll verhindert werden, dass, wie es in anderen Ländern der Fall ist, klammheimlich international tätige Finanzinvestoren einsteigen und Märkte übernehmen.

Wir lehnen die Unterwanderung der Freien Berufe durch in- und ausländische Investoren strikt ab. Die Freien Berufe sind unabhängig und rein dem Wohl des Klienten, des Patienten oder des Kunden verpflichtet. Und so soll es auch bleiben.

Kurt Frühwirth